Meinung der anderen oder auch: Die „Arschloch“ – Falle

Meinung

Jeder kennt es: Man nimmt sich die Meinung der anderen zu sehr zu Herzen. Sie treffen einen wunden Punkt oder lösen etwas unangenehmes in einem aus.

„Die sieht doch immer so gesund aus.“

Mein größter Trigger. Wie ein Stier der das rote Tuch sieht.

Wie sehr mich dieser Satz immer wieder auf’s neue schwer getroffen hat. Er enthält so viele unausgesprochene Unterstellungen:

  • so schlimm ist es doch gar nicht.
  • es geht doch nur um Aufmerksamkeit.
  • ihr geht es doch gut.
  • Was ist überhaupt ihr Problem?

Am liebsten will ich sagen: “ Stimmt. Die ganzen Tabletten nehme ich nur aus Spaß. Auch zu den Ärzten und Therapien renne ich nur aus Langeweile. Es tut so gut sich jeden Mittag hinzulegen und sein Leben zu verschlafen.“ Aus Anstand lasse ich es dann doch bleiben.

Es bleibt: Der unschöne Nachgeschmack. Ich fühle mich verletzt.

Neurologische Krankheiten zeichnen sich besonders in einem aus: sie sind nach außen gar nicht oder nur zeitweise zu sehen.

Sie sind meistens unsichtbar.

Ach ja, und dann diese Begleitsymptome. Schmerzen? Schlafstörungen? Depressive Verstimmungen? Erschöpfungs-Syndrom? „Ja. Das kenn ich auch.“, habe ich als Reaktion bestimmt schon 20 Mal gehört und kann es nicht mehr hören.

Erklärbär – Schlafprobleme

Am Anfang habe ich versucht mich zu erklären. Anderen Personen zu erklären wie es sich an fühlt.

Wie es sich anfühlt, wenn man Schlafstörungen hat.

Das man auf insgesamt 3 Stunden Schlaf kommt. von 23 – 1 Uhr 2 Stunden und dann nochmals von 4 – 5 Uhr. Einfach weil man hellwach ist. Und in der Zeit, in der man wach ist? Da muss man möglichst leise sein, um die Kinder nicht wach zu machen.

Aus purer Verzweiflung greife ich dann nach 2 – 3 Wochen nach einem derartigen Schlafrhythmus und dem Gefühl ein wandelnder Zombie zu sein, auf Schlafmedikamente zurück. Natürlich alles unter ärztlicher Begleitung.

Und trotz des Medikaments komme ich nur auf 2 Stunden schlaf am Stück und insgesamt auf vielleicht 4-5 Stunden schlechten Schlaf. Dafür gibt es wegen des Schlafmittels den gesamten nächsten Tag komplette Verwirrtheit.

Aber gut, ich sehe ja fit aus. Und schlechten Schlaf kennt ja jeder. Von den restlichen Themen fange ich dann schon gar nicht mehr an. Mir ist bisher kein guter Grund eingefallen, weiter darüber zu reden.

Alles schön und gut – Aber was soll ich jetzt machen?

Die Ärzte haben in ihrem Song „Lasse reden“ bereits thematisiert, dass andere Menschen gerne reden. Mit Vorurteilen und Bewertungen.

„Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu

Die meisten Leute haben ja nichts Besseres zu tun.

Lass die Leute reden, bei Tag und auch bei Nacht

Lass die Leute reden, das haben die immer schon gemacht.“

Song Die Ärzte – Lasse reden

Du kannst die Meinung der anderen nicht ändern. Wer ernsthafteres Interesse zeigt, dem kannst du versuchen zu erklären wie es dir geht. Und für die restlichen Mitmenschen lohnt es sich nicht deine Kraft her zugeben.

Am Arsch vorbei – Es kann zu deinem Konzept werden

In diesem Zusammenhang kann ich euch nur das Buch „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ von Alexandra Reinwarth mit ihrem Konzept von Am Arsch vorbei ans Herz legen (unbezahlte Werbung).

Dieses Buch ist eine absolute Leseempfehlung für all‘ deinigen, denen die Meinung der anderen viel zu nah sich heran lassen. Sowohl für die eigene Krankheit als auch für das alltägliche Leben.

Nachdem ich mich immer wieder (unnötig) erklärt habe, lasse ich das nun sein. Ich denk mir: „Am Arsch vorbei.“ Dann haben die anderen Leute eben ihre Meinung „Sie führt ein richtig geiles Leben, ihr geht es gut und ist ein Blender.“

Und ich hoffe, dass keiner jemals diese Erfahrung durch leben muss.

„Es gibt Momente, in denen einem klar wird, dass man etwas ändern muss. Das Leben könnte so viel schöner sein, wenn man damit aufhören würde, Dinge zu tun, die man nicht will, mit Leuten die man nicht mag, um zu bekommen, was man nicht braucht!
Wer noch der Meinung ist, das Leben könnte etwas mehr Freiheit, Muße, Eigenbestimmung und Schokolade vertragen und dafür weniger WhatsApp-Gruppen und Weihnachtsfeiern, der ist hier goldrichtig!
(…)“

Hier geht es zu ihrem Buch.

Deine zwei Möglichkeiten

Du hast zwei Möglichkeiten:

1. Möglichkeit

In der ersten nimmst du dir weiter zu Herzen, was die Leute über dich und dein Krankheitsbild denken. Du kannst die Vorurteile der anderen nicht ändern.

Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.

Albert Einstein

Natürlich ist man bemüht, gerade den Leuten, die einem wichtig sind, seine Situation zu erklären und verständlich zu machen. Doch auch unter denen werden nicht alle die Tragweite begreifen können.

Andersherum: Wie könntest du in aller Komplexität das Leben eines Querschnittgelähmten begreifen? Menschen, denen die Erfahrungen fehlen können sich nur unzulänglich in diese Situationen hineinversetzen und sehen nur das „Außenbild“.

Deine nächsten Bezugspersonen kennen deine schlechten Momente, sie merken wenn es dir nicht gut geht, du kein Auto fahren kannst, du Schmerzen hast oder dich durch den Alltag schleppst. Darauf kommt es an.

Bedenke: Du investierst Kräfte und Energie in die Meinungen oder auch Vorurteile. Dabei hast du es sowieso nicht in deiner Hand. So sehr du es dir auch wünschst.

2. Möglichkeit

Dabei bleibt dir nur die zweite Möglichkeit:

Belass‘ es dabei. Kannst du etwas einfach nicht ändern, dann spare dir deine Energie für dich selber und schöne Sachen auf.

Zumal die anderen sich gar nicht so lange und intensiv den Kopf über dich zerbrechen, wie du dich mit dem Thema überhaupt beschäftigst.

Dalai Lama sagte bereits:

„Lasse das Verhalten anderer nicht deinen inneren Frieden stören.“

Dalai Lama

Es geht um dich

Dir darüber klar zu werden, kann schon helfen, dass dich verletzende Aussagen nicht direkt triggern. Sondern solche direkt erkannt und ausgeblendet werden. Denn du bist die wenige, die ihre Aussage bewertet. Es ist möglich, dass sie dir auch einfach nur ein Kompliment machen wollten oder nett sein wollten.

Einen weiteren Weg um mit den Meinungen der anderen besser umgehen zu können, bieten Achtsamkeitsmethoden.

Hier geht es zum Artikel über Achtsamkeit.

Achtsamkeit kann helfen einen ruhigen und klaren Geist zu behalten

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